Risikofaktoren und Ursachen
Risikofaktoren und Ursachen
Wenn es um das Verständnis von psychischer Gesundheit geht, ist eine der wichtigsten Aufgaben von Jugendarbeitern, zu erkennen, was einen jungen Menschen einem größeren Risiko aussetzen könnte, Probleme zu haben.
Zunächst einmal: Psychische Probleme entstehen nicht einfach so. In unserer engen Arbeit mit jungen Menschen erleben wir oft Momente, in denen etwas nicht stimmt – ein Energieverlust, Rückzug von Gleichaltrigen oder ein plötzlicher Anstieg von Angstzuständen. Um sie wirksam zu unterstützen, ist es hilfreich zu verstehen, was passiert und warum. Hier kommen die Konzepte der Risikofaktoren und Ursachen ins Spiel.
Diese Begriffe werden oft so verwendet, als ob sie dasselbe bedeuten würden, aber im Bereich der psychischen Gesundheit – insbesondere aus klinischer oder entwicklungspsychologischer Sicht – beziehen sie sich auf unterschiedliche Rollen bei der Entstehung psychischer Probleme.
Risikofaktoren sind Bedingungen oder Erfahrungen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass jemand ein psychisches Problem entwickelt. Sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass jemand Schwierigkeiten haben wird – sie erhöhen lediglich die Anfälligkeit.
Die Ursache hingegen ist direkter. Sie löst die Entwicklung einer psychischen Störung aus oder führt dazu. Eine Ursache ist wie der letzte Anstoß, der ein Problem aktiviert, insbesondere bei jemandem mit bereits mehreren Risikofaktoren. Laut Weltgesundheitsorganisation und dem Diathese-Stress-Modell (Monroe & Simons, 1991) entstehen psychische Erkrankungen häufig, wenn eine Person mit einer zugrunde liegenden Veranlagung (einer sogenannten „Diathese“) erheblichen Stressoren (der Ursache) ausgesetzt ist.
| Kategorie | Risikofaktoren | Ursachen |
| Definition | Bedingungen oder Erfahrungen, die die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung erhöhen. | Spezifische Ereignisse, Zustände oder biologische Auslöser, die direkt zu einer psychischen Belastung führen können. |
| Naturbedingt | Oft chronisch oder umweltbedingt – sie entwickeln sich mit der Zeit. | Oft plötzlich oder klinisch – sie können als direkte Auslöser wirken. |
| Examples |
– Mobbing oder Ablehnung durch Gleichaltrige – Einsamkeit oder soziale Isolation – Familiäre Konflikte oder Vernachlässigung – Leben in Armut – Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, Homophobie, Ableismus) – Instabile Wohnverhältnisse oder Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung – Junge Pflegeperson sein (Pflege eines Elternteils oder Geschwisters) – Akademischer Druck oder hohe Erwartungen – Mangelnder Zugang zu Unterstützungsdiensten – Digitale Überlastung oder toxische Nutzung sozialer Medien |
– Traumatisches Ereignis (z. B. Überfall, Unfall, Katastrophe) – Trauerfall oder plötzlicher Verlust – Zusammenbruch einer wichtigen Beziehung (z. B. plötzliche Trennung, Scheidung der Eltern) – Gewalt oder Missbrauch erfahren – Substanzmissbrauch (Alkohol, Drogen) – Chronische Krankheit oder Verletzung – Familiäre Vorbelastung mit psychischen Erkrankungen – Hormonelles oder neurologisches Ungleichgewicht – Das Leben in Krieg oder Vertreibung (Flüchtlingserfahrung) |
| Können sie existieren, ohne Krankheit auszulösen? | Ja – sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit psychischer Belastungen oder Probleme, aber nicht jeder, der ihnen ausgesetzt ist, entwickelt Probleme. | Manchmal – aber die Ursachen sind in der Regel stärkere Indikatoren für psychische Erkrankungen. |
| Wie Jugendbetreuer reagieren können |
– Förderung inklusiver, stigmatisierungsfreier Räume – Routine und Struktur für gefährdete Jugendliche schaffen – Bieten Sie informelle Aktivitäten an, die Resilienz, Identität und Verbundenheit fördern. – Jungen Menschen dabei helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln – Bieten Sie frühzeitig Unterstützung an und wissen Sie, wann Sie weiterleiten müssen. |
– Krisen erkennen und ruhig eingreifen – An Fachkräfte für psychische Gesundheit verweisen – Nachbetreuung und Wiedereingliederung in die Gemeinschaft anbieten. – Vertrauenswürdige Erwachsene oder Erziehungsberechtigte einbeziehen – Den jungen Menschen in seinem Genesungsprozess und bei seinen Entscheidungen stärken. |
Denken wir daran, dass psychische Belastung, psychische Probleme und psychische Störungen oft nicht dieselben Ursachen und insbesondere nicht dieselben Risikofaktoren haben. Es ist auch wichtig zu wissen, dass sich Risikofaktoren und Ursachen manchmal überschneiden können. Ein toxisches Umfeld kann bei einer Person Belastung verursachen, bei einer anderen jedoch zu einer ausgewachsenen psychischen Störung führen – insbesondere bei einem Trauma oder einer entsprechenden Familiengeschichte. Jemand könnte beispielsweise unter schulischem Stress (Belastung) leiden und gleichzeitig eine Trennung verarbeiten (Problem). und gleichzeitig mit diagnostizierten Panikattacken (einer Panikstörung) umzugehen. Der Punkt ist: Das sind keine voneinander getrennten Bereiche. Sie hängen zusammen. Und jeder junge Mensch verdient Unterstützung, egal wo er sich im Spektrum befindet.
Deshalb haben wir ein System entwickelt, das Ihnen helfen kann, Risikofaktoren und Ursachen zu erkennen, insbesondere wenn Sie in der Erkennungsphase Zweifel an einem jungen Menschen aus Ihrem Umfeld hatten. Darüber hinaus hilft Ihnen das Wissen um Risikofaktoren und Ursachen dabei, unser Hauptanliegen zu erfüllen: psychischen Erkrankungen so weit wie möglich vorzubeugen.
Emotionen
| Kategorie | Psychische Belastung | Psychisches Gesundheitsproblem | Psychische Störung |
| Definition | Normale emotionale Reaktionen auf alltägliche Herausforderungen. Kurzfristig und mit gesunden Bewältigungsstrategien gut zu bewältigen. | Anhaltende oder intensive emotionale Belastung, die die Alltagsfunktionen beeinträchtigt, aber möglicherweise keine klinische Diagnose rechtfertigt. | Klinisch diagnostizierbare Störung, die das Denken, die Stimmung, das Verhalten oder die Alltagsfunktionen erheblich beeinträchtigt. |
| Risk factors |
– Akademischer Druck – Sozialer Vergleich in sozialen Medien – Schlafmangel oder schlechte Ernährung – Überlasteter Zeitplan – Kleinere Konflikte mit Gleichaltrigen |
– Chronischer Stress – Diskriminierung aufgrund der Identität – Ein junger Pflegender sein – Familiäre Instabilität – Emotionale Vernachlässigung |
-Familiäre Vorbelastung mit psychischen Erkrankungen – Trauma in der frühen Kindheit -Aussetzung gegenüber Krieg oder Vertreibung – Pränatale Substanzexposition – Institutionelle Erziehung |
| Ursachen |
– Einen Test nicht bestehen – Öffentliche Bloßstellung – Streit mit einem Freund – ausgeschlossen werden – Negatives Feedback |
– Zerbrechen einer langjährigen Freundschaft – Verlust eines Unterstützungssystems – Anhaltendes Mobbing Trauer über den Verlust – Wiederholtes akademisches Versagen |
– Hirnverletzung – Substanzinduzierte Psychose – Traumatisches Hirnereignis – Posttraumatische Belastungsstörung aufgrund von Gewalt oder Missbrauch – Schweres hormonelles Ungleichgewicht |
| Können sie existieren, ohne Krankheit auszulösen? | Ja – Belastungen gehören zum Leben und bessern sich oft durch Unterstützung oder Ruhe. | Manchmal können sich ungelöste Probleme verschlimmern, wenn sie nicht angegangen werden. | Selten sind die Ursachen oft starke Indikatoren und erfordern ärztliche Behandlung. |
| Wie Jugendbetreuer reagieren können |
– Emotionale Höhen und Tiefen normalisieren – Vermittlung von Bewältigungsstrategien (Tagebuch führen, Bewegung, Ruhe) – weitere Informationen finden Sie im Managementbereich der Plattform. – Raum für Gespräche bieten – Förderung der Vernetzung unter Gleichaltrigen |
– Warnzeichen erkennen – Kontinuierliche Unterstützung gewährleisten – Kontaktaufnahme mit Schulberatern oder örtlichen psychologischen Beratungsstellen – Resilienzbasierte Methoden anwenden |
– Know referral pathways – In Krisensituationen Ruhe bewahren – Zusammenarbeit mit Fachkräften für psychische Gesundheit – Bieten Sie vorurteilsfreie, traumasensible Unterstützung an. |
Digitale Prävention
Suchtverhalten mit Bildschirmen, Smartphones und sozialen Medien als Kulisse für die Erkennung
Die moderne Gesellschaft hat ein Umfeld geschaffen, das verschiedene Risikofaktoren für junge Menschen birgt. Wir haben uns entschieden, dieses Problem gezielt anzugehen: Digitale Technologien beeinflussen das Leben und die psychische Gesundheit junger Menschen erheblich. Deshalb wird unsere Plattform Ihnen diese Perspektive näherbringen. Wir halten es für wichtig, dies zu erwähnen, da es ein untrennbarer Bestandteil unseres Wachstums und unserer Entwicklung geworden ist. Dieser Bereich umfasst Folgendes:
Viele Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Bildschirmzeit zu kontrollieren. Oft greifen wir gedankenlos zum Handy, verlieren uns im endlosen Scrollen und merken plötzlich, dass Stunden vergangen sind. Aber warum passiert das?
Hier die Hauptgründe:

Frustration und Langeweile durch schwierige Aufgaben
Frustration und Langeweile durch schwierige Aufgaben
Wenn etwas zu schwierig oder überwältigend erscheint, ist es einfacher, sich im Scrollen zu flüchten, anstatt sich der Herausforderung zu stellen.

Bedürfnis nach sozialen Kontakten, Anerkennung und Bestätigung
Bedürfnis nach sozialen Kontakten, Anerkennung und Bestätigung
Wir alle wollen gesehen, wertgeschätzt und dazugehörig fühlen. Soziale Medien bieten schnelle Bestätigung durch Likes, Kommentare und Nachrichten.

Vermeidung von Verantwortung und Problemen des realen Lebens
Vermeidung von Verantwortung und Problemen des realen Lebens
Statt sich mit Arbeit, Terminen oder persönlichen Problemen auseinanderzusetzen, suchen viele Menschen Ablenkung in Bildschirmen.

Angst- und Stressabbau
Angst- und Stressabbau
Wenn etwas zu schwierig oder überwältigend erscheint, ist es einfacher, sich im Scrollen zu flüchten, anstatt sich der Herausforderung zu stellen.
Beziehungsprobleme

FOMO (Angst, etwas zu verpassen)
FOMO (Angst, etwas zu verpassen)
Der Drang, Nachrichten, Neuigkeiten von Freunden oder die aktuellsten Meldungen zu überprüfen, hält die Menschen ständig miteinander verbunden.
Bildschirmzeit
Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, ist es hilfreich, Statistiken zur Bildschirmzeit zu erfassen. Die Zahlen sind alarmierend, insbesondere wenn man die monatliche und jährliche Nutzung betrachtet. Jugendbetreuer können die Teilnehmenden dazu anregen, ihre durchschnittliche wöchentliche Bildschirmzeit zu überprüfen und zu berechnen, wie viele Tage sich dies im Laufe eines Monats, eines Jahres oder sogar über 3, 5 oder 10 Jahre summiert.
Globale Durchschnittswerte für Smartphone- und Social-Media-Nutzung
Da junge Menschen oft nicht merken, wie viel Zeit sie online verbringen, zeigt diese Tabelle ihnen nach und nach, wie viel Zeit durchschnittlich in digitalen Räumen verbracht wird. Manche liegen vielleicht unter dem Durchschnitt, andere deutlich darüber. Die übermäßige Nutzung digitaler Medien im Alltag beeinträchtigt auch unsere psychische Gesundheit.
Lasst uns das mal etwas genauer betrachten.
Globale Durchschnittswerte für Smartphone- und Social-Media-Nutzung
Wichtigste Erkenntnisse:
- Mehr als drei Monate im Jahr werden mit Smartphones und sozialen Medien verbracht.
- Fast 50 Stunden pro Woche werden vor Bildschirmen verbracht – das entspricht in etwa einer Vollzeitbeschäftigung.
- Durch die Reduzierung der Bildschirmzeit um 1 Stunde pro Tag gewinnen Sie 15 zusätzliche Tage pro Jahr für Erlebnisse im realen Leben.
Strategien zur Reduzierung der Auswirkungen von Smartphones und Bildschirmzeit
Dies gilt sowohl allgemein für Einzelpersonen als auch bei Aktivitäten mit Jugendlichen, Jugendaustauschen usw.
Wir können uns nicht allein auf Willenskraft verlassen, um die Bildschirmzeit zu reduzieren. Technologie ist darauf ausgelegt, uns zu fesseln – Unternehmen nutzen Forschungsergebnisse von Psychologen und Marketingexperten, um sicherzustellen, dass wir unsere Smartphones immer wieder in die Hand nehmen und so viel Zeit wie möglich vor Bildschirmen verbringen.
Wirksame Strategien konzentrieren sich stattdessen auf die Schaffung externer Grenzen, um gedankenlose Bildschirmnutzung zu verhindern.
Die 3 wichtigsten allgemeinen Strategien zur Grenzsetzung und Empfehlung an Jugendliche/Umsetzung mit Jugendlichen
| Kategorie | Strategie | Beschreibung / Maßnahmen |
| Individuelle Strategien | 1. App-Limits festlegen & Bildschirmzeit-Code verwenden | Legen Sie tägliche Limits für süchtig machende Apps fest. Verwenden Sie einen Bildschirmzeit-Code (iPhone) oder eine App-Sperre (Android). Geben Sie den Code einer vertrauenswürdigen Person. |
| Individuelle Strategien | 2. Schaffen Sie physische Distanz zu Ihrem Smartphone | Erschweren Sie es, Ihr Smartphone zu erreichen. Schalten Sie es aus, lassen Sie es in einem anderen Raum oder schließen Sie es in einer Box oder im Auto ein. |
| Individuelle Strategien | 3. Apps vorübergehend löschen & handyfreie | Tage einlegen Deaktivieren Sie Social-Media-Apps vorübergehend abends/am Wochenende. Legen Sie handyfreie Tage mit begrenzter App-Nutzungsdauer fest. |
| Strategien für Aktivitäten mit Jugendlichen | 1. Smartphone-Nutzung in Workshops reduzieren | Stifte und Papier statt Smartphones verwenden. Handouts vorbereiten und kreative, nicht-digitale Methoden einsetzen (z. B. Zeichnen, Theater spielen). |
| Strategien für Aktivitäten mit Jugendlichen | 2. Eine „Handy-in-der-Box“-Gewohnheit einführen | Verwenden Sie eine spezielle Box, in die alle Handys während der Aktivitäten kommen, um die Konzentration zu fördern. |
| Strategien für Aktivitäten mit Jugendlichen | 3. Eine Herausforderung daraus machen | Veranstalten Sie eine Bildschirmzeit-Challenge. Belohnen Sie am Ende den Teilnehmer mit der geringsten Bildschirmzeit. |
| Strategien für Aktivitäten mit Jugendlichen | 4. Mit gutem Beispiel vorangehen | Verwenden Sie eine separate Kamera, machen Sie sich Notizen auf Papier und vermeiden Sie Handys während der Mahlzeiten oder in der Freizeit. |
Durch die ständige Vernetzung sind junge Menschen einem Strom von Inhalten ausgesetzt, der ihr Selbstbild verzerren, soziale Vergleiche fördern und Druck erzeugen kann, immer verfügbar, ansprechbar oder leistungsfähig zu sein.
Die digitale Welt kann die Grenzen zwischen Ruhe und Stimulation, zwischen Kontakt und Überwachung verwischen. Junge Menschen haben oft Schwierigkeiten, abzuschalten, nicht weil es ihnen an Disziplin mangelt, sondern weil Plattformen darauf ausgelegt sind, sie ständig zu beschäftigen. Dies trägt zu mentaler Erschöpfung, Schlafstörungen, weniger sozialen Kontakten im realen Leben und verstärkter Angst bei – insbesondere, wenn Anerkennung an Likes, Kommentare oder algorithmische Sichtbarkeit geknüpft wird. Als Jugendbetreuer/in können Sie präventiv wirken, indem Sie reflektierende Gespräche, kleine Verhaltensänderungen und Workshops fördern, die digitale Kompetenz und emotionales Bewusstsein stärken. Diese Strategien zielen darauf ab, junge Menschen bewusster zu machen, wie die Online-Welt ihren psychischen Zustand und ihr Selbstbild beeinflusst.
Um diese wichtigen Themen praktisch anzugehen, haben wir für Sie „Das kleine Buch zur Prävention psychischer Erkrankungen“ vorbereitet. Sind Sie bereit, Aktivitäten mit Jugendlichen durchzuführen?